Exkursion der Geographie-LKs nach Frankfurt am Main

FrankfurtExkursion2026

Ob revitalisierter Hafen, historische Altstadt, glitzerndes Bankenviertel oder Brennpunkt Bahnhofsviertel: Kaum eine deutsche Stadt zeigt auf so engem Raum so unterschiedliche Gesichter wie Frankfurt am Main. Wer gestaltet diese Räume – und für wen? Dieser Frage gingen 46 Schülerinnen und Schüler der beiden Geographie-Leistungskurse gemeinsam mit den Lehrkräften Frau Nienaber, Frau Pauly, Herrn Vieira da Silva und Herrn Koch auf ihrer zweitägigen Exkursion nach, als sie Westhafen, Römer, Zeil, Flughafen und Bahnhofsviertel unter die Lupe nahmen – stets im Schatten der Mainhattan Skyline, Symbol für Frankfurts Rolle als Finanzmetropole.

Vom Industriehafen zum Szeneviertel: Der Westhafen

Direkt nach der Ankunft am Hauptbahnhof führte der Weg zu Fuß zum Westhafen. In Kurzreferaten stellten Schülerinnen und Schüler vor, wie aus dem einstigen Industrie- und Handelshafen seit den 1990er-Jahren ein modernes Wohn- und Bürogebiet wurde – ein Lehrbuchbeispiel für Waterfront Development. Markantestes Gebäude ist der Westhafen-Tower, dessen markante Form an ein Geripptes, das traditionelle Apfelwein-Glas, erinnern soll: Alte Hafeninfrastruktur trifft hier auf hochpreisige Neubauten – und wirft direkt die Frage auf, wer sich das Wohnen an bester Lage eigentlich noch leisten kann.

Zwischen Tradition und Kommerz: Römer, Altstadt und Zeil

Im Vergleich zweier zentraler Standorte – Römer und Zeil – untersuchte der Kurs Funktionalität und Zentralität der Frankfurter City. Besonders die neue Altstadt rund um den Römer stand im Fokus: Nach der fast vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie für rund 185 Millionen Euro originalgetreu wiederaufgebaut und erst 2018 fertiggestellt. Vor Ort ging es auf Spurensuche: Welche historischen Elemente sind erhalten oder rekonstruiert, und wie eignen sich Menschen Touristen, Geschäftsleute, Frankfurter – diesen Raum heute an? Nur wenige Gehminuten weiter, auf der Zeil, zeigte sich ein völlig anderes Bild: eine der umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands, geprägt von Konsum statt Geschichte – ein Kontrast, der die unterschiedlichen Funktionen städtischer Zentren greifbar machte.

Drehkreuz der Superlative: Vorfeldtour am Flughafen

Am Nachmittag stand eine Vorfeldtour am Frankfurter Flughafen auf dem Programm, die tiefe Einblicke in Logistik und Betriebsabläufe eines der bedeutendsten Luftfahrtdrehkreuze Europas bot. Aus der Ferne sichtbar: das erst im April 2026 eröffnete Terminal 3 – mit rund vier Milliarden Euro Investitionsvolumen eines der größten privat finanzierten Infrastrukturprojekte Europas, gebaut auf dem Gelände der ehemaligen Rhein-Main Air Base und ausgelegt auf bis zu 19 Millionen Passagiere jährlich.

Schattenseiten der City: Gentrifizierung im Bahnhofsviertel

Ein deutlich anderes Gesicht Frankfurts zeigte sich im Bahnhofsviertel, dem Untersuchungsgebiet zum Thema Gentrifizierung. Nach einer inhaltlichen Einführung führte der Weg durch die Niddastraße, wo die Kurse mit sozialen Härten wie Drogenszene, Obdachlosigkeit und Prostitution konfrontiert wurden. In einer anschließenden Rollenexkursion schlüpften die Schülerinnen und Schüler wechselweise in die Perspektive einer Studentin auf Wohnungssuche und eines gewinnorientierten Investors – beide auf der Suche nach Objekten im citynah und verkehrsgünstig gelegenen Viertel. Diskutiert wurden die Konflikte, die durch Aufwertung und steigende Mieten entstehen;
Lösungsansätze dazu werden im kommenden Schuljahr im Rahmen des Themas Stadtgeographie vertieft. Einen Überblick über all diese Standorte und ihr Verhältnis zueinander verschaffte sich der Kurs vom Main Tower aus, dessen Aussichtsplattform die zuvor besuchten Orte noch einmal in ihrer räumlichen Anordnung sichtbar machte und die Frage nach Nutzung und Funktion öffentlichen Raums auf einen Blick zusammenführte. Zwischen den Programmpunkten Auch abseits des Fachprogramms blieb Zeit für Frankfurt-Erlebnisse: Nach dem Abendessen verfolgte der Kurs im Gibson Beach Club das Deutschland Spiel, das nach Verlängerung und Elfmeterschießen leider mit einer Niederlage endete – ein nervenaufreibender, aber stimmungsvoller Abend. Vor der Rückfahrt blieb den Schülerinnen und Schülern zudem freie Zeit, um die Exkursion auf eigene Faust ausklingen zu lassen.

Fazit: Eine rundum gelungene Exkursion: Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich durchweg interessiert und engagiert und hoben selbst hervor, wie vielfältig und polarisierend sich Frankfurt präsentiert – eine Stadt, an der sich zentrale stadtgeographische Themen hervorragend erarbeiten lassen.